Gesunde Strom-Kuriosität: Die Elektrische Zigarette
16.06.10 17:23 Alter: 7 Jahre

Ein schönes Beispiel, wie ein wenig elektrischer Strom, sinnvoll eingesetzt, Menschenleben retten kann, ist die elektrische Zigarette. Doch bevor diese technologische Innovation in der breiten Masse überhaupt wahrgenommen worden ist, läuft die E-Zigarette derzeit Gefahr, gleich wieder vom Markt zu verschwinden.

Elektrische Zigarette

Bild: VitaSmoke

 


Bonn - (Strom-prinz.de) - Elektrische was? Ja, so etwas gibt es wirklich. Als elektrische Zigarette bezeichnet man kleine elektronische Geräte, die eine meist nikotinhaltige Flüssigkeit verdampfen.


Nikotin-Inhalatoren
Streng genommen handelt es sich um Nikotin-Inhalatoren. Seit ihrem ersten Auftreten vor fast 15 Jahren wurden die rauchlosen Zigaretten stetig weiterentwickelt. Inzwischen kommen die E-Zigaretten ihrem Tabak-Vorbild optisch, im Geschmack und vom Rauchgefühl her schon erstaunlich nahe – mit einem großen Unterschied: es findet keine Verbrennung statt!


Kleine technische Wunderwerke
Stand der Technik sind heute elektrische Zigaretten, die sich auf den ersten Blick kaum von ihrem Vorbild, der Tabakzigarette unterscheiden. Nebeneinander gehalten fällt auf, dass die E-Zigarette etwas länger und auch etwas dicker ist.


Im vorderen Teil, dort wo sich bei der regulären Zigarette der Tabak befindet, ist ein Lithium-Ionen-Akku untergebracht. In der Mitte, von außen nicht sichtbar, befindet sich eine Verdampfereinheit, auch "Atomizer" genannt, die bei jedem Zug eine kleine, nur Millimeter große Heizwendel erhitzt. Diese Heizwendel ist mit einem feinen Edelstahl-Drahtgeflecht umgeben. Die dritte Komponente einer elektrischen Zigarette ist die Liquid-Patrone. Sie sieht aus wie das Filter einer Zigarette, enthält aber einen Vliesstoff, der mit dem sogenannten E-Liquid durchtränkt ist. Das E-Liquid besteht im Wesentlichen aus der Trägerflüssigkeit Propylenglycol, Nikotin in unterschiedlichen Konzentrationen und Aromastoffen.


Nikotinhaltiger Nebel
Zieht der E-Raucher jetzt an seiner elektrischen Zigarette, erhitzt sich die Heizwendel und verdampft dabei geringe Mengen des E-Liquids. Es entsteht ein erwärmter, aromatisierter und nikotinhaltiger Nebel.
Bei der ersten Benutzung ist zunächst das Erstaunen groß, dass die E-Zigarette tatsächlich „Rauch“ produziert. Der Rauch ist genau genommen Nebel und ein Umwandlungsprodukt des im E-Liquid enthaltenen Propylenglycols. Dieser Stoff ist ein zugelassener Lebensmittelzusatzstoff (E 1520) und findet auch in professionellen Nebelmaschinen Anwendung.


Eindeutige Vorteile
Die Anzahl der Inhaltsstoffe des Aroma-Liquids ist sehr überschaubar und nach der allgemeinen Auffassung – vom Nikotin abgesehen – unbedenklich. Selbst starke Raucher sind erfahrungsgemäß in der Lage, ohne Entzugserscheinungen auf die elektrische Zigarette umzusteigen. Sie erhalten weiterhin die erwünschte/benötigte Dosis an Nikotin und müssen keine ihrer Gewohnheiten wirklich umstellen. Das Rauchgefühl bleibt schließlich erhalten.
Zwar ist der Wirkstoff Nikotin immer wieder der Dreh und Angelpunkt vieler kontroverser Diskussionen rund um die elektronische Zigarette, aber unbestritten ist, dass nicht das Nikotin Raucher früher sterben lässt, sondern der Rauch der Zigarette. Zigarettenrauch enthält insgesamt bis zu 12.000 verschiedene chemische Verbindungen, von denen über 2.000 als Giftstoffe bekannt sind. Und diese tödlichen und krebserregenden Produkte des Zigarettenrauchs fehlen bei der elektrischen Zigarette gänzlich.


Große Anhängerschaft
Dass die elektrische Zigarette funktioniert, zeigt die große Anhängerschaft. In diversen Foren wird jede neue Geschmacksrichtung und die Vorzüge und Nachteile der jeweiligen E-Zig-Modelle mit großer Leidenschaft diskutiert. Die durchweg ehemaligen Raucher sind sich über einen Punkt indes immer einig: der Umstieg auf die Elektrische hat ihnen ein großes Maß an Lebensqualität und Gesundheit zurück gebarcht.


Prominentes Beispiel: Johnny Depp, der in Frankreich lebende Golden Globe-Gewinner, hat seiner stark rauchenden Mutter die elektrische Zigarette ans Herz gelegt. Er hatte diese neue Art ohne giftigen Tabakrauch zu rauchen in Großbritannien kennen gelernt. In einer Dankes-E-Mail an den Inhaber des texanischen E-Zig-Händlers erklärte Johnny Depp’s Schwester Debbie Depp Rassel: “Meine Mutter ist eine andere Person seit sie aufgehört hat zu rauchen. Sie muss sich endlich nicht mehr gegen ihre Atembeschwerden behandeln lassen. Sie haben uns unsere Mutter wieder zurück gegeben! Ich kann Ihnen nicht in einer Milliarde Jahren genug danken.”


Rotes Tuch für Behörden
Wenn die elektrische Zigarette eindeutige Vorteile hat und es offensichtlich weltweit bereits viele zufriedene Nutzer gibt, wo ist dann das Problem? Eines der Hauptprobleme findet seinen Ursprung in der Art, wie die Elektrische für gewöhnlich vermarktet wird: Das Internet. Alle elektronischen Zigaretten werden in China hergestellt und finden von dort aus den Weg zu den diversen Internet-Händlern. Kritischer aber noch, als die elektronischen Gerätschaften, sind die Liquids. Denn auch sie werden zum allergrößten Teil in China, fernab von jeder behördlichen Kontrolle, produziert. Und sie enthalten Nikotin... In dieser Kombination „Importe aus chinesische Produktion, Internethandel, Nikotin“ springen bei jeder Zoll- und Gesundheitsbehörde weltweit die Alarmglocken an.


Juristischer Eiertanz
Um auch weiterhin ihre Kunden mit Ware bedienen zu können, laufen die eZig-Händler inzwischen geschickt Slalom durch die nationalen Gesetzgebungen. Bisher argumentieren die Händler meist, dass es sich weder um ein Tabakprodukt handelt, noch um ein zulassungspflichtiges Medikament. Übrigens einer der Gründe, warum die Händler unter keinen Ergo falle es weder unter die eine, noch unter die andere Regulierung. Die diversen Behörden halten indes dagegen und versuchen die Elektrische unter ihre Fittiche zu bekommen - um sie dann zu verbieten.


Eine unrühmliche Vorreiterrolle im Kampf gegen die elektrische Zigarette spielt die amerikanische Food and Drug Administration (FDA). Die Behörde ist für die Überwachung von Nahrungs- und Arzneimittel zuständig und hatte seit dem 1. März 2009 große Lieferungen von elektrischen Zigaretten, eZigarren, ePfeifen und deren Komponenten aus chinesischer Produktion an der Grenze abgewiesen. Prompt wurde die Behörde von zwei betroffenen Händlern verklagt. Ihr Argument: ihre Produkte sind als Zigaretten zu klassifizieren und Zigaretten seien nicht der Kontrolle durch das FDA unterworfen. Dem hält die FDA entgegen, dass es sich bei den elektrischen Zigaretten sowohl um ein Medikament als auch ein Medikamenten-Abgabesystem handelt, die beide unter das “Federal Food, Drug and Cosmetic Act” fallen und somit sehr wohl eine FDA-Freigabe benötigen.


In Deutschland vor dem Aus?
In Deutschland schießt sich das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) langsam auf die Elektrische ein. Das BfArM, ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit, ist im Falle der elektrischen Zigarette der Auffassung, dass es sich um ein sog. “Funktionsarzneimittel” handelt, da die Menge an Nikotin in einer pharmakologischen Dosierung vorliegt. Wenn sich diese Auffassung allgemein durchsetzt, ist die elektrische Zigarette in Deutschland so gut wie verboten. Denn anders als z.B. das offizielle Konkurrenzprodukt der Pharmaindustrie, der Nicorette Inhaler, verfügt keine einzige elektrische Zigarette weltweit über eine Arzneimittelzulassung.


Die Frage, ob es sich bei der elektrischen Zigarette um eine Lösung handelt, die dazu geeignet ist jährlich tausenden von Rauchern das Leben zu retten, interessiert dogmatisch entscheidende Behörden herzlich wenig.

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