Repowering-Desaster: Das verschenkte Strom-Potenzial
11.03.09 16:45 Alter: 10 Jahre

Repowering, das Ersetzen alter Windenergieanlagen durch neue, leistungsfähigere Anlagen, spielt in Deutschland (noch) keine Rolle. Schuld sind rigide Abstands- und Höhenbegrenzungen der Länder und Kommunen.

Windenergie

Quelle: Fotolia

 


Bonn (Strom-Prinz.de) - Windkraftanlagen sind in Deutschland viel öfter Gegenstand hitziger Debatten zwischen Anlagenbetreibern, Anwohnern und Bürgerinitiativen, als in den Nachbarstaaten. Ökostrom aus Windkraft ist nur so lange beliebt, solange man vom eigenen Fenster aus nicht die Windmühle sehen kann, die den Strom produziert.


Deutschland fällt im internationalen Vergleich zurück
Im vergangen Jahr wurden in Deutschland nur 866 Windenergieanlagen neu aufgestellt. Das sind 17 Anlagen weniger als 2007. Die Windenergiebranche wächst nur noch auf dem Niveau der späten 90er-Jahre angelangt. Hingegen installierten die USA auch schon vor Obama weltmeisterlich: rund 9.000 MW betrug der Leistungszuwachs in 2008. Das ist das fünfache des deutschen Zuwachses von 1.445 MW. Vier Jahre hintereinander waren die USA weltweit die Nummer 1 der wachstumsstärksten Windkraftmärkte. Wenn die Steiegrung der installierten Leistung so weiter geht, wird die USA schon 2010 Deutschland vom Trohn des weltweit größten Windstromerzeugers werfen.


Fachleute raten: Repowering
Während im Offshore-Bereich die Kapazitäten endlich aufgebaut werden, sind neue Windkraft-Standorte auf dem deutschen Festland Mangelware. Die Branche hofft daher auf das sogenannte Repowering: Ein Upgrading auf die neueste Anlagenversion sozusagen. Die Windkraftanlagen der ersten Generation - davon stehen in Deutschland rund 3.000 - leisten meist 400 kW und weniger. Beim Repowering ersetzen die Windparkbetreiber die alten Turbinen und Masten gegen Modelle der neuesten Generation mit aktuell meist 3 MW an Leistung. Die bestehenden Standorte werden so besser ausgenutzt, da die installierte Leistung steigt, obwohl mit deutlich weniger Anlagen gearbeitet wird. Als Fausregel gilt: Doppelter Energieertrag bei halber Anlagenzahl. Nicht nur die verminderte Anlagenanzahl beruhigt das Landschaftsbild, neue Turbinen laufen mit einer niedrigen Drehzahl und wirken weniger unruhig. Die inzwischen getriebelosen Anlagen sind zudem deutlich leiser als früher.


Die Nachbarn machen es vor
In Dänemark wird bereits das zweite große Repowering-Programm durchgeführt. Und im größten Windpark der Niederlande werden die 134 Windkraftanlagen des Windparks Eemshaven durch 52 Enercon-Anlagen der neuesten Generation ersetzt. Obwohl 60 Prozent weniger Anlagen eingesetzt werden, vervierfacht sich die installierte Leistung! Die Stromproduktion steigt von 80 auf 470 Millionen Kilowattstunden pro Jahr.


Strenge Regelungen
Dass Repowering in Deutschland nahezu keine Rolle spielt, liegt an den restriktiven Höhen- und Abstands-Empfehlungen insbesondere der norddeutschen Küstenländer. Beispiele:

  • Niedersachsen: 1.000m Mindestabstand zum nächsten Wohngebäude (1995 waren nur 400-500m nötig)
  • Schleswig-Holstein: ab 100m Gesamthöhe Mindestabstand fünffache Anlagenhöhe vom nächsten Dorf, die 3,5-fache vom nächsten Haus
  • Mecklenburg-Vorpommern: Mindestabstand 800m zum nächsten Haus, 1.000m zur nächsten Siedlung

Höhenbegrenzung vernichtet Potenzial
Die Höhenbegrenzung verhindert den Bau der Großanlagen der Multi-Megawatt-Klasse und mindert die Leistung einer Maschine. Erst in der Höhe herrschen die Windverhältnisse, die eine große Anlage braucht, um auf Touren zu kommen. Die Beeinträchtigungen durch Höhen- und Abstandslimits sind beträchtlich. Ein von der TU-Berlin untersuchter Windpark in Schleswig-Holstein könnte die Leistung um das 4,3-fache steigern, wenn die 13 alten, kleineren Anlagen durch nur sechs große ausgetauscht würden. Diese Anlagen würden alle Emissionsgrenzwerte einhalten (Schattenwurf, Geräuschwentwicklung). Wenn die bestehenden Abstands- und Höhenbegrenzungen auch noch eingehalten würden, liesse sich die Leistung nur um den Faktor 1,7 steigern.


45 Milliarden Kilowattstunden verschenkt
Nach Schätzungen des Deutschen Windenergie Instituts (DEWI) ist optimales Repowering der bestehenden Windparks und -anlagen in der Lage, die deutsche Windkraftstromproduktion zu verdreifachen. Die dann 90 Mrd. kWh entsprächen über 15 Prozent des deutschen Stromverbrauchs. Die geltenden Abstand- und Höhenbegrenzungen dampfen das Potenzial dramatisch ein: anstatt 300 Prozent könnte allenfalls eine Steigerung um 50 Prozent auf 45 Mrd. kWh erreicht werden. Über 45 Mrd. kWh können also nicht realisiert werden.


Ministerien der Länder verantwortlich
In die zum 01.01.2009 in Kraft getretenen Novellierung des Erneuerbare Energien Gesetzes (EEG) wurde extra ein Repowering-Bonus von 0,5 ct/kWh hinein geschrieben. Die Abstands- und Höhenempfehlungen werden aber von den Ministerien der Länder ausgegeben und von den Kommunen artig befolgt. Repowering wird in dieser Konstellation sicher kein Paradeprojekt. Das heisst natürlich nicht, dass es kein Exportschlager wird. In anderen Ländern wird wohl einfach weniger diskutiert. 


 


Jeder deutsche Haushalt kann seinen Stromverbrauch aus erneuerbaren Energien decken. Welcher Stromanbieter am jeweiligen Wohnort günstigen Ökostrom anbietet, kann in Sekundenschnelle mit einem Stromrechner ermittelt werden. Dazu ist lediglich die Option "Nur Ökostrom-Tarife" auszuwählen.


 


 

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