Ökostrom aus dem Meer
2.01.09 10:22 Alter: 6 Jahre

Power-Bojen und 140 Meter lange, 750 Tonnen schwere Seeschlangen versorgen uns zukünftig mit Strom. Der spanische Stromkonzern Iberdrola treibt Wellenkraftwerks-Projekte voran.

Pelamis Seeschlange

 


Spanien - Iberdrola Renovables, die auf Erneuerbare Energien spezialisierte Tochter des zweitgrößten spanischen Energieversorgers Iberdrola, nutzt jetzt die Wellenenergie des Atlantiks zur Stromerzeugung.


Weltmarktführer Erneuerbare Energien. Bei der Windkraft besitzt das Unternehmen die weltweite Spitzenposition. Ende 2008 betrug die installierte Windenergie-Leistung über 8.146 Megawatt (MW). Zum Vergleich: das entspricht der Nennleistung von sieben der siebzehn deutschen Kernkraftwerke.


Marine Energie. Jetzt zieht es Iberdrola aufs Meer. Das Unternehmen baut in Pasaia bei San Sebastian, im nordspanischen Baskenland, ein Wellenkraftwerk. Für Iberdrola ist es bereits das dritte Wellenkraft-Projekt. Jedes der drei Pilotprojekte nutzt eine andere Technik. Die beiden anderen Standorte befinden sich in Santoña , westlich des Baskenlandes, und vor den schottischen Orkney-Inseln.


In Pasaia soll in den nächsten Monaten eine verkleinerte Testboje im Maßstab 1:4 vor der Küste verankert werden. Die längliche Boje ist ein Minikraftwerk, deren Kopf durch den Wellengang auf und ab wippt und so Strom erzeugt. Nach einer mehrmonatigen Testphase werden dann die eigentlichen Bojen installiert. Das 4,5 Mio. Euro teure Bojenfeld wird eine Kapazität von 500 Kilowatt (KW) haben. Das deckt den Stromverbrauch von immerhin 950 Haushalten.


In Santoña (Cantabria) etwa 70 km entfernt von Bilbao werden Bojen des US-amerikanischen Herstellers Ocean Power Technologies (OPT) benutzt, die einen 20 Meter langen Zylinder vertikal im Wasser halten. In diesen Zylindern befindet sich eine Vorrichtung, die das Auf und Ab der Atlantik-Wellen über ein hydraulisches System und einen konventionellen Stromgenerator in elektrische Energie umwandelt. Die einzelnen Power-Bojen sind am Meeresgrund fest verankert. Dort bedinden sich auch die Kabel, mit dem der Strom des Bojen-Felds gesammelt und an Land geführt wird. Auf der Homepage wird in einem kleinen Film die Funktionsweise der Power-Bojen erläutert.


Im Frühjahr wurde in Santoña damit begonnen, vier Kilometer vor der Küste zehn Bojen mit jeweils 125 KW zu verankern. Santoña ist damit das bisher größte Wellenkraftwerk in Europa. Wenn alle 10 Bojen installiert und in Betrieb sind, reicht die Leistung von 1,35 MW, um den Stromverbrauch von 2.500 Haushalten zu decken. Pro Jahr werden dann 2.600 Tonnen CO2 eingespart.


In Schottland nutzt Iberdrola über ihre schottische Tochter ScottishPower die Grundströmung des Atlantiks, die durch die Gezeiten entsteht. Schottland ist durch seine geografische Insel-Lage im Atlantik prädestiniert für Gezeiten- und Wellenkraftwerke. Die zwei Standorte liegen bei Pentland Firth und bei the Sound of Islay. Dort kommen 140 Meter lange Pelamis-Generatoren (Pelamis = griechisch "Seeschlange") zum Einsatz. Die 750 Tonnen schweren Seeschlangen messen 3,5 m im Durchmesser. Jede von ihnen hat eine Kapazität von 750 KW. Mit einer einzelnen dieser gigantischen Schlangen erwartet der Betreiber 500 Haushalte mit Strom versorgen zu können. Über Scharniergelenke sind die vier Zylinder jeder Schlange miteinander verbunden. "Es würde selbst einem Jahrhundertsturm standhalten", meint der Geschäftsführer der Betreiberfirma Ocean Power Delivery, Richard Yemm. Die Gezeitenkraftwerke sollen 2011 in Betrieb gehen. Für die Energieversorger ist die Technologie alleine aufgrund ihrer Grundlastfähigkeit interessant. Anders als z.B. Windenergie sind Gezeitenkraftwerke wetterunabhängig. Zudem lässt sich ihr Ertrag gut vorausberechnen.


Bleibt abzuwarten, wann sich die deutschen Stromkonzerne mit der gleichen Entschlossenheit wie ihre spanischen Kollegen dem Thema Erneuerbare Energien widmen. Bisher sind es eher die mittelständischen Unternehmen, die das Thema vorantreiben.

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