Neuer Leistungs-Weltrekord für Strömungskraftwerke
17.01.09 07:11 Alter: 10 Jahre

Eine Strömungsturbine mit dem Namen "SeaGen" erreichte vor der nordirischen Küste jetzt erstmalig ihre maximale Kapazität von 1,2 Megawatt Strom. Das ist die höchste Leistung, die ein Strömungskraftwerk weltweit je erreicht hat.

Strömungskraftwerk SeaGen

Bild: RWE Innogy

 


Bristol (Strom-Prinz.de) - Die bisherige Bestmarke der in 2003 errichteten Vorgänger-Anlage "SeaFlow" lag bei 300 kW und ist mit der neuen Anlage um das Vierfache übertroffen worden. 


Unterwasser-Windräder
Die von dem britischen Unternehmen Marine Current Turbines entwickelte SeaGen arbeitet nach dem Prinzip eines Unterwasser-Windrads, nur bewegt sich der Rotor unter Wasser. Dazu wird die gesamte Anlage auf dem Meeresboden errichtet. Anders als bei Gezeitenkraftwerken ist kein zwischen den Gezeiten auftretender Höhenunterschied des Meeresspiegels (Tidenhub) von mindestens fünf Metern notwendig. Diese relativ großen Höhendifferenzen werden ohnehin nur in Buchten oder Flussmündungen erreicht, was die Zahl möglicher Gezeitenkraftwerks-Standorte erheblich einschränkt. Hinzu kommen ökologische Bedenken aufgrund der massiven Eingriffe in die empfindlichen Wattbiotope und küstennahen Ökosysteme.
Die sogenannten In Flow-Strömungskraftwerke vom Schlage eines SeaGen kommen dagegen gänzlich ohne Staumauern aus und nutzen alleine die durch die Gezeiten verursachten Meeresströmungen. Besonders rund um Irland herrschen Meeresströmungen, die sogar unabhängig von Ebbe und Flut konstant fliessen. 


Strom für 1.000 Haushalte
Im Mai 2006 wurde der Rotor im nordirischen Strangford Lough errichtet und absolviert seitdem verschiedene Testzyklen. Die Besonderheit gegenüber früheren Anlagen sind die beiden paarweise angeordneten Zweiblatt-Rotoren. Jeder Rotor hat einen Durchmesser von 16 Metern. Immerhin 5 Meter mehr als der Rotor des Vorgängers SeaFlow. Damit nutzen die beiden Rotoren die kinetische Energie von über 400 Quadratmetern Strömungsfläche. Bei einer Strömungsgeschwindigkeit von 5 Knoten (2,4 m/s) erreichen die Generatoren dann ihre Spitzenleistung von zusammen 1,2 MW. Nachdem diese Maximalleistung jetzt erstmals erreicht wurde, steht der nächste Schritt an. Die Anlage soll im Dauerbetrieb über mindestens 22 Stunden täglich Strom liefern. Über ein Seekabel wird dieser Strom vom lokalen irischen Stromanbieter ESB Independent abgenommen. Die Kapazität der Pilotanlage reicht aus, um den Stromverbrauch von 1.000 Haushalten zu produzieren. 


Zuverlässig, kraftvoll und sauber
Gegenüber Wind- und Sonnenenergie besitzt die Strömungsenergie des Meeres einen entscheidenden Vorteil: sie fliesst kontinuierlich, Tag für Tag, Nacht für Nacht, sommers wie winters. Meeresströmungskraftwerke kommen zudem mit sehr niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten aus, da die Dichte des Wassers um ein Vielfaches größer ist als die der Luft. Jeder, der in der Atlantikbrandung schon einmal wie im Schleudergang einer Waschmaschine umher gewirbelt wurde, wird das bestätigen können. Die Kraft einer Wasserströmung ist etwa 850-mal größer als die einer gleichschnellen Luftströmung. Entsprechend gemächlich drehen sich die Rotoren der Strömungsturbinen mit etwa 15-20 Umdrehungen pro Minute. Die relativ langsame Rotation der Turbinen erzeugt so wenig Sog, dass keine Schäden an Flora und Fauna des Meeresbodens hinterlassen werden.


10,5 MW Wasserturbinen-Farm geplant
Die Erfahrungen mit der Anlage in Strangford Lough sollen in das bereits angekündigte Großprojekt vor der Küste von Anglesey, Nord Wales einfliessen. Marine Current Turbines will in Zusammenarbeit mit der RWE-Tochter npower renewables eine Unterwasserturbinen-Farm bestehend aus sieben 1,5 MWSeaGen- Turbinen errichten. Die Gesamteistung soll dann auf 10,5 MW gesteigert werden. Sie wird insgesamt 9 Meter über den Meeresspiegel ragen.Der Standort des Meeresströmungsprojekts soll im offenen Meer liegen. Er befindet sich in einem 25 Meter tiefen Bereich mit dem Namen "the Skerries". Der Standort ist wegen seiner günstigen Strömungsverhältnisse und der natürlich geschützten Lage ideal für die geplante Anlage. Er profitiert ferner von guten Hafenanlagen im nahegelegenen Holyhead, seiner Nähe zum öffentlichen Stromnetz, sowie einer guten Verkehrsinfrastruktur. Diese käme sowohl dem Bau der Anlage als auch ihrer Instandhaltung zu Gute. Man hofft, die Meeresenergie-Farm bis 2011/2012 fertig zu stellen. 


Weltweit Kraft von 70 Atomkraftwerken
Europaweit gibt es rund 100 mögliche Standorte, deren Strömungsenergie einen wirtschaftlichen Betrieb versprechen. In Deutschland ist das Potenzial leider verschwindend gering. Als einziger Standort kommt ein Strömungsbereich südlich von Sylt in Frage. Besonders positiv sieht es in Großbritannien aus. Rund um Irland fließen Meeresströmungen, die sogar unabhängig von Ebbe und Flut konstant sind und damit einen Traum der Ökostrom-Visionäre erfüllen: saubere Energie rund um die Uhr. Mittelfristig hofft man, den britischen Stromverbrauch zu 20 Prozent aus Meeresströmungsenergie decken zu können. Europaweit wird der potenzielle Beitrag der Meeresströmungsenergie auf etwa 2-3 Prozent geschätzt. Weltweit könnte die Strömungsenergie der Ozeane immerhin jährlich rund 800 Terawattstunden Strom und damit rund 70 große Atomkraftwerke ersetzen.


 


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