Flachwasser-Wellenkraftwerk nimmt Testbetrieb auf
20.11.09 11:14 Alter: 9 Jahre

Heute wurde durch Schottlands First Minister Alex Salmond an der Küste der schottischen Orkney-Inseln ein innovatives Flachwasser-Wellenkraftwerk offiziell in Betrieb genommen.

Oyster Aquamarin Power

 


Edinburgh (Aquamarin Power/Strom-Prinz.de) - Das Unternehmen "Aquamarin Power" geht zurück auf ein Projekt der Queen’s University im nordirischen Belfast. Dort experimentierten Wellenenergie-Experten bereits 2003 mit einem innovativen hydroelektrischen Wellenenergie-Konverter, der Oyster (Auster). Nach Jahren zahlreicher Wellentank-Tests mit Modellen im Maßstab 1:40 und dann 1:20 ist das inzwischen erwachsene Unternehmen jetzt den letzten Schritt gegangen. Im August 2009 wurde die erste große Flachwasser-Wellenanlage im European Marine Energy Centre (EMEC) in Billia Croo auf Orkney installiert und jetzt, drei Monate später in Betrieb genommen.


Die "Auster"
Die Anlage besteht aus zwei Komponenten. In Küstennähe wurde auf dem Meeresgrund ein überdimensionales rund 18 Meter breites und 10 Meter hohes Scharnier verankert – die Oyster. Der bewegliche obere Teil des Scharniers ist aus insgesamt fünf Röhren-Tanks geformt, die jeweils einen Durchmesser von zwei Metern haben. Die Meerestiefe wurde so gewählt, dass der oberste, in signalgelb lackierte Tank auf der Wasseroberfläche liegt. Mit jeder Wellenbewegung bewegt sich nun diese aus Röhren geformte Wand im Takt der Wassermassen, denen sie sich in den Weg stellt. Beim Auf- und Zuklappen des Scharniers werden zwei Kolbenpumen ähnlich einer riesigen Fahrradpumpe zusammen gedrückt und wieder auseinander gezogen. Anstatt mit Öl, das in Meeresnähe immer ein Risiko darstellt, arbeitet die Hydraulik mit Wasser.
Das durch die Kolbenpumpen erzeugte Druckwasser wird über eine unterirdische Leitung zum zweiten Teil der Anlage, dem Maschinenhaus an Land geleitet. In diesem Maschinenhaus ist die hydroelektrische Turbine untergebracht. Sie ist darauf ausgelegt, von verschiedenen Pumpen gleichzeitig mit Druckwasser beliefert zu werden. So können zukünftig kostengünstig und wartungsfreundlich mehrere der Riesenscharniere an eine einzige – teure Turbine gekoppelt werden.


Maximale Verfügbarkeit
Das Prinzip des Flachwasser-Wellenkraftwerks ist bewusst simpel gehalten, der gesamte im Wasser befindliche Teil der Anlage wurde möglichst robust und mit wenigen beweglichen Teilen konzipiert. Dadurch möchte Aquamarine Power die Verfügbarkeit der Anlage maximieren – ein zentrales Problem anderer Wellenenergie-Projekte.
Stürmischer Wellengang mit seinen brachialen Kräften soll für die Oyster kein Problem darstellen. Wie bei dem natürlichen Vorbild klappt  sich die künstliche Auster einfach unter den Wellen weg. Überschüssige Wellenenergie rollt so über das Scharnier, ohne es zu beschädigen.


Strom für 450 Haushalte
Die jetzt in Betrieb genommene Oyster-Demonstrationsanlage besitzt eine Nennleistung von 315 kW. Genug, um  den Stromverbrauch von 450 Haushalten zu decken. Die jährliche Einsparung an CO2 liegt bei etwa 500 Tonnen. Für das Jahr 2011 ist ein größeres Flachwasser-Wellenkraftwerk geplant, das dann bereits die sechsfache Kapazität besitzen soll. Diese Anlage wäre dann in etwa vergleichbar mit einer modernen Windkraftanlage der 2MW-Klasse.


Aquamarin Powers
Pro Megawatt installierter Leistung rechnet man bei Aquamarin Power mit Investitionskosten von rund 3,3 bis 4,4 Mio. Euro. Bisher wird das Unternehmen durch verschiedene Investoren finanziert. Alleine die Finanzierungsrunde im Oktober 2007 versorgte das Unternehmen mit 6,3 Mio. Pfund (ca. 7,0 Mio €) des schottischen Energieversorger Scottish and Southern Energy (SSE) und weiteren 1,5 Mio Pfund (1,7 Mio. €) der Investmentgesellschaft Sigma Capital Group. Einer der Partner ist übrigens auch npower, die britische Tochter der RWE Gruppe.


Video
Eine Video-Animation der Funktionsweise und des Zusammenspiels der verschiedenen Komponenetn von Oyster findet sich im Video-Bereich "Wasserkraft und Strömungsenergie".

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