Erste großtechnische Anlage für Biokohle-Pellets im Bau
28.06.10 17:41 Alter: 7 Jahre

Die grüne RWE-Tochter "Innogy" nimmt im Bereich nachwachsender Rohstoffe immer mehr Fahrt auf. heute erfolgt die Grundsteinlegung für eine zukunftsweisende Anlage für Biokohle-Pellets auf Biomassebasis.

Biokohle-Pellets

 


Essen (Innogy/Strom-Prinz.de) - RWE Innogy und Topell Energy legen heute in Duiven in der niederländischen Provinz Gelderland den Grundstein für die erste großtechnische Anlage zur Herstellung von Biokohle-Pellets.


60.000 Tonnen jährlich
Die Anlage mit einer Produktionskapazität von 60.000 Tonnen pro Jahr wird von Topell Nederland, einem Joint Venture von RWE Innogy (49,9 %) und Topell Energy (50,1 %), realisiert. Das in Duiven entstehende Werk wird eine der größten und modernsten Biokohle-Anlagen der Welt sein. Die Inbetriebnahme der Anlage ist für Anfang 2011 geplant. Die Investitionssumme liegt bei rund 15 Millionen Euro. RWE Innogy hatte sich bereits vor zwei Jahren im Rahmen seiner Venture-Capital-Aktivitäten bei der jungen, niederländischen Technologiefirma Topell Energy engagiert.


Biokohle
Biokohle ist durch Pyrolyse oder hydrothermale Karbonisierung "verkohlte" Biomasse. In ihrer Herstellung und ihren Eigenschaften ähnelt Biokohle konventioneller Holzkohle. Der Brennwert liegt zwischen der von Braun- und Steinkohle. Die kleinen, fast schwarzen Pellets sind ideal zur Vergasung geeignet und besitzen im Vergleich zu Holzschnitzeln eine mehr als 16-fache Energiedichte. Die Biokohle ist leicht zu transportieren. Bei einer Verfeuerung in herkömmlichen Kohlekraftwerken zusammen mit herkömmlicher Kohle verhalten sich die Biokohle-Pellets „unauffällig“. Es ist weder eine gesonderte Lagerung noch eine Zerkleinerung notwendig.


Torrefizierung
Bei der Innogy-Biokohleanlage kommt ein besonderes Biokohle-Verfahren, in der Fachsprache "Torrefizierung" genannt, zum Einsatz. Torrefizierung bezeichnet die thermische Behandlung von Biomasse unter Luftabschluss bei relativ niedrigen Temperaturen von 260 bis 300 °C durch eine pyrolytische Zersetzung. In dem Prozess wird Biomasse, meist Holz, zunächst vorgetrocknet und aufgeheizt, dann erfolgt die teilweise pyrolytische Zersetzung. Dabei entweichen neben Wasser vor allem sauerstoffhaltige Verbindungen mit niedrigem Heizwert wie Kohlenstoffdioxid, Kohlenstoffmonoxid und organische Säuren. Durch Torrefizierung wird ein stabiler Wassergehalt von nur 3 % erreicht während Rauchgas erzeugende Stoffe entfernt werden.


Erstmalige industrielle Großproduktion
Während das Verfahren an sich bereits lange bekannt ist, ermöglicht das von Topell entwickelte Verfahren erstmalig die kontinuierliche Produktion von Biokohle-Pellets im industriellen Maßstab.
Dazu Prof. Fritz Vahrenholt, Leiter der Geschäftsführung von RWE Innogy: „Mit der Torrefizierung von Biomasse lösen wir gleich drei Probleme, mit denen die Biomasse derzeit noch zu kämpfen hat: Im Gegensatz zu herkömmlich verfeuerten Holzhackschnitzeln verfügen die Biokohlepellets über eine deutlich höhere Energiedichte und wesentlich gleichmäßigere Verbrennungseigenschaften. Deshalb können sie ideal mit Kohle transportiert, gelagert und verbrannt werden. Damit kann eine bereits bestehende Infrastruktur dekarbonisiert werden.“


Der lange Weg zum Ökostrom
Das von RWE Innogy verfolgte Biomasse-Konzept ist insgesamt stimmig. Der heute stark Kernenergie- und Kohle-lastige Kraftwerkspark der RWE soll durch den verstärkten Einsatz von Biomasse Schritt für Schritt in den nächsten Jahren auf CO2-arme Stromerzeugung umgestellt werden.
Als erstes Unternehmen wird die niederländische RWE-Tochter Essent für fünf Jahre die Biokohlepellets zur Verfeuerung in den Amer-Kohlekraftwerken abnehmen. Dort wird bereits heute Steinkohle und Biomasse im Verhältnis 70:30 verfeuert. Ziel ist es, das sogenannte "Cofiring" von Biomasse mittelfristig auf bis zu 50 Prozent auszuweiten. Dann wäre zumindest die Hälfte des hergestellten Stroms nahezu CO2-neutraler Ökostrom.


Bio-Kohle per Tanker aus den USA?
Wenn sich die Torrefizierungs-Technologie bewährt, steht einem zukünftigen Einsatz in der weltgrößten Pelletanlage im Süden des US-Bundesstaates Georgia nichts mehr im Wege. Diese wird derzeit ebenfalls im Auftrag von RWE Innogy errichtet. Die Inbetriebnahme des Pellet-Werkes ist für 2011 geplant. Auch diese Pellets sollen in den holländischen Essent-Kraftwerken verfeuert werden.
Die Pellets werden per Bahn zum Hafen von Savannah (Georgia) transportiert und von dort aus nach Europa verschifft. Der Transportweg von rund 10.000 km von Savannah bis z.B. Rotterdam ist verglichen mit den aktuellen Transportwegen unserer Energierohstoffe nicht ungewöhnlich.
Gegenüber Holzpellets verbessert sich die Transportsituation durch den Einsatz von Biokohle deutlich. Während Standard-Pellets eine Energiedichte von ca. 5,0 Megawattstunden je Tonne (MWh/t) besitzen, liegt dieser Wert bei Biokohle mit 9-10 MWh/t fast doppelt so hoch.

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