E.ON eröffnet größten Windpark der Welt in Texas
25.10.09 19:13 Alter: 9 Jahre

E.ON hat in den USA den größten Windpark der Welt in Betrieb genommen und verliert kein Wort über den texanischen Farmer, der das Milliardenprojekt vor fünf Jahren anstieß.

Cliff Etheredge

Photo: Brian Connelly

 


Düsseldorf (E.ON) - Im texanischen Roscoe drehen sich nach einer Bauzeit von gut zwei Jahren 627 Windräder mit einer installierten Leistung von rund 781,5 Megawatt. Sie können den Stromverbrauch von mehr als 230.000 Haushalten decken. Die Projektkosten lagen bei über einer Milliarde US-Dollar.


Doppelte Fläche der Stadt Düsseldorf
Der Windpark besteht aus vier Abschnitten und erstreckt sich über eine Fläche von nicht weniger als 400 Quadratkilometer, doppelt so viel wie die einer Stadt von der Größe Düsseldorfs. E.ON setzt in Roscoe auf bewährte Windanlagen der Hersteller Mitsubishi, General Electric und Siemens.


Wind City
Roscoe, eine texanische Kleinst-Stadt mit gerade einmal 1.300 Einwohnern wurde durch das Projekt zu Wind-City U.S.A. Dabei standen die Vorzeichen schlecht. In der 115-Jährigen Stadtgeschichte war Roscoe - wenn überhaupt - nur für den Anbau von Baumwolle bekannt. Aber die Geschäfte liefen schlecht. Vor vier Jahren zog sich sogar die amerikanische Fast-Food-Kette "Dairy Queen" aus dem Städtchen zurück. Ein sicheres Zeichen für amerikanische Landbewohner, dass der Ort in ernsthaften Schwierigkeiten steckt.


Dickköpfiger Texaner
Wer heute vor dem größten Windpark der Welt steht, kommt wohl kaum auf die Idee, dass dieses Megaprojekt auf die Vision eines einzigen Mannes zurück geht: Cliff Etheredge, ein 68-jähriger, einarmigen, texanisch knorriger Baumwollfarmer. "Früher pflegten wir den Wind zu verfluchen" sagt er. "Er zerstörte unser Getreide und trocknete unser Land aus. Aber durch die Windkraft-Farmen haben wir unsere Einstellung um 180 Grad geändert. Jetzt lieben wir den Wind". Diese Liebesbeziehung begann im Jahr 2004. Damals entstanden die ersten, vereinzelten Windanlagen in der Region. Etheredge begann sich in das Thema "Windenergie" einzulesen, erstellte eigene Messungen und organisierte die Landbesitzer seiner Heimatstadt. Gemeinsam machte man sich auf die Jagd nach Investoren und ließ sich auch von Rückschlägen nicht entmutigen. Der irische Windparkbetreiber Airtricity gab schließlich seine Investitionszusage und wurde so zum Jackpot für Roscoe und die gesamte Umgebung.


Wiedergeburt eines ganzen Landstrichs
Mehr als 400 Grundstücksbesitzer rund um Roscoe, die vor wenigen Jahren noch wertloses Brachland besaßen, verdienen jetzt kräftig: Die jährlichen Pachtgebühren, liegen zwischen 5.000 und 15.000 Dollar - pro Turbine! Mancher Farmer hat inzwischen 20 der bis zu 135 Meter hohen Windräder auf seinem Land stehen. Aufbau und Wartung des Windparks hat der einstmals sterbenden Region innerhalb von wenigen Jahren Vollbeschäftigung beschert. "Wer hätte gedacht, dass wir etwas verkaufen können, dass uns gar nicht gehört. Schließlich gehört der Wind niemand!" lacht der gewitzte Etheredge.


E.ON mit tiefen Taschen
Vor zwei Jahren, im Oktober 2007 übernahm E.ON das Nordamerikageschäft von Airtricity für ca. eine Milliarde Euro und erschloss sich so im Bereich Erneuerbarer Energien erstmals eine starke Marktposition mit großem Wachstumspotenzial außerhalb Europas. "Wir haben in knapp zwei Jahren unsere weltweiten Windkraftkapazitäten auf inzwischen 2.600 MW ausgebaut. Mehr als die Hälfte davon – 1.500 MW – in den USA", so Frank Mastiaux, CEO von E.ON Climate & Renewables, bei E.ON für das Geschäft mit Erneuerbaren Energien verantwortlich. "Mit Großprojekten wie Roscoe tragen wir dazu bei, dass die Erneuerbaren Energien den ökonomischen und technologischen Durchbruch schneller schaffen. Dafür werden wir bis 2011 weltweit 8 Mrd Euro investieren. Unser Ziel ist, im Jahr 2015 eine Kapazität von bis zu 10.000 Megawatt zu erreichen. Nordamerika ist dabei einer der weltweit attraktivsten Märkte für Erneuerbare Energien, insbesondere für Onshore-Wind."


David mit Goliath
Die Geschichte des weltweit größten Windparks ist ein sehr schönes Lehrstück, wie der Einzelne, die Gemeinschaft, sogar der "böse" Großkonzern und nicht zuletzt die Umwelt bei dem Thema "Erneuerbare Energie" gewinnen kann. Geht doch!

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