Steckt die Deutsche Windkraft in der Sackgasse?
28.12.09 19:49 Alter: 10 Jahre

Die vom BDEW heute veröffentlichten Zahlen belegen, dass 2009 insgesamt kein gutes Jahr für die Erneuerbaren Energien war. Gegenüber 2008 konnte die ökologische Stromproduktion nur um 0,3 Mrd. kWh gesteigert werden.

alpha ventus

 


Bonn (Strom-Prinz.de) - Erneuerbare Energien decken mit 93,0 Milliarden Kilowattstunden (Mrd. kWh) inzwischen 16,0 Prozent des gesamten Stromverbrauchs. Das ermittelte der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), Berlin, aufgrund vorläufiger Zahlen für das Jahr 2009.


Windkraft lahmt
An erster Stelle bei der erneuerbaren Stromerzeugung lag 2009 nach BDEW-Berechnungen zwar immer noch die Windenergie. Aber mit 37,5 Mrd. kWh liegt man nicht nur unter dem Vorjahresergebnis (40,6), sondern sogar noch unter der Stromproduktion von 2007 (39,7)!


Ein trauriges Ergebnis
Die Schuld kann nicht nur einem schlechten Windjahr zugewiesen werden. Der Neubau von Windenergieanlagen geht in Deutschland tendenziell schon seit 2003 zurück. Da im deutschen Binnenland neue Standorte kaum noch genehmigungsfähig sind, hofft die Windenergiebranche auf den Ersatz der Altanlagen. Aber das sogenannte Repowering alter Anlagen zugunsten von neuen, leistungsfähigeren Großanlagen stößt auf dem deutschen Festland auf restriktive Höhen- und Abstandsregelungen. Beispiel Niedersachsen: ein neues Windrad muss 1.000 Meter Abstand vom nächsten Wohngebäude einhalten; 1995 waren in der Regel nur 400-500 Meter erforderlich.


Offshore-Windparks in schwierigem Fahrwasser
Die in der Presse sehr präsenten Offshore-Windparks werden kurzfristig auch keinen nennenswerten Beitrag leisten. Die Voraussetzungen sind alles andere als günstig. In keinem anderen Land der Welt sind die geforderten Abstände zur Küste so groß, wie in Deutschland. Der bisher erste und einzige (!) Offshore-Windpark Deutschlands, alpha ventus liegt mit seinen 12 Anlagen ganze 63 km vor der ostfriesischen Küste. Die meisten der geplanten deutschen Projekte werden unter wirtschaftlich und technisch schwierigen Rahmenbedingungen in Wassertiefen von 20 bis 35 Meter und einer Küstenentfernung von deutlich über 30 Kilometer geplant. So ist es kaum verwunderlich, dass die Investitionen in Länder mit günstigeren Rahmenbedingungen fließen. In Großbritannienwurden die bereits neun Windparks mit über 230 Anlagen aus wirtschaftlichen Gründen meist nur drei bis sieben Kilometer vor der Küste errichtet, das hält die Kosten des Seekabels und der Wartung niedrig. Auch die Wassertiefe beträgt in der Regel nur um die 10 Meter, entsprechend einfach und kostengünstig ist die Verankerung der Anlagen auf dem Meeresgrund.


Wasserkraft stagniert
Da in Deutschland keinen nennenswerten Wasserkraft-Großprojekte mehr in Sicht sind, pendelt die Stromerzeugung der deutschen Wasserkraftwerke seit Jahren zwischen 19,0 und 21,2 Mrd. kWh. Das Jahr 2009 war mit 19,0 ein eher schlechtes Wasserkraftjahr.


Vorzeigeenergie Biomasse
Den mit Abstand größten Zuwachs gab’s bei Strom aus Biomasse. 25.5 Mrd. kWh bedeuten ein Plus von 3,2 Mrd. kWh bzw. 14%. Nur zum Vergleich: Das leistungsstärkste deutsche Kernkraftwerk Grundmemmingen produziert mit seinen zwei Reaktorblöcken jährlich 21 Mrd. kWh. Und da Biomasse kontinuierlich und witterungsunabhängig Strom produziert, also grundlastfähig ist, hinkt der Vergleich mit Atomstrom in keinster Weise.


Photovoltaik kommt in Schwung
Die aufgrund der hohen Einspeisevergütung in die Kritik geratene Photovoltaik leistet erstmalig einen relevanten Beitrag. Allen Unkenrufen zum Trotz stieg die Stromproduktion aus Sonnenlicht gegenüber 2008 um 1,6 Mrd. kWh bzw. 36% auf nun 6.0 Mrd. kWh. Gegenüber 2004 entspricht das einer Verzehnfachung der deutschen Sonnenstromproduktion. Diese Strommenge reicht aus, um den Stromverbrauch von 1,6 Millionen Privathaushalten zu decken, das entspricht drei Städten von der Größe Kölns. Hinter Windenergie, Biomasse-Strom und Wasserkraft ist die Photovoltaik sogar auf Platz vier der Erneuerbaren Energien vorgerückt. Strom aus Müllkraftwerken konnte zwar leicht zulegen, musste sich aber doch dem Sonnenstrom geschlagen geben.


Verband betreibt (natürlich) Lobbyismus
Anlässlich der Präsentation der grünen Stromstatistik wird der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft, der u.a. politische Arbeit für 900 deutsche Energieversorger betreibt, nicht Müde sein „Kraftwerks-Mantra“ zu wiederholen. Aufgrund der überwiegend schwankenden Produktion und der fehlenden Speichertechnologien seien erneuerbaren Energien noch nicht in der Lage, ausreichend Grundlaststrom bereit zu stellen. "Ein zukunftsfähiger Kraftwerkspark muss eine breite Palette von Technologien wie zum Beispiel Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien und in Ergänzung auch Kohle-, Gas- sowie Kernkraftwerke aufweisen. Gleichzeitig sollte dieser Kraftwerkspark ein sinnvolles Spektrum an Anlagengrößen von der dezentralen Kraft-Wärme-Kopplung bis hin zu zentralen Großkraftwerken für die Grundlastversorgung umfassen", betont Hildegard Müller, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung und ehemalige Staatsministerin bei der Bundeskanzlerin.

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